Donnerstag, 24. Mai 2018

Stempelabhängig im Harz


Bisonherde im Harz



Dieses Tourenvorgeplane und zwanghaft abends wieder am Auto oder Ausgangsort sein zu müssen geht mir derzeit bissel gegen den Strich beim Radln. Aus diesem Grund suchen wir uns derzeit hin und wieder einen Ausgangsort und fahren von dort einfach den Stempelstellen der Harzer Wandernadel hinterher bis der Abend näher rückt. Dann suchen wir uns eine Schutzhütte oder schönes Plätzlein im Wald und genießen das kleine Mikroabenteuer der Waldübernachtung. Diesbezüglich haben wir uns auch komplett neu ausgestattet mit Daunenschlafsack, Isomatte und Co. Ob sich das Material bewährt, erzählen wir mal irgendwann. 

Alles dabei, Kocher, Isomatten, Schlafsäcke und vieles mehr.



Da wir aber auch nicht auf die Geländetauglichkeit verzichten möchten, sind derzeit Bikepackingtaschen ein größeres Thema bei uns. Hier nervt es mich wirklich, dass viele Testberichte erkauft sind. So habe ich viel Geld für mein erstes Taschensystem ausgegeben um festzustellen, es erfüllt nur zu Bruchteilen meine Erwartungen an ein solches System. So blieb nur eines, einfach alle in Frage kommenden Taschensysteme kaufen und selbst testen. Und das mache ich zusammen mit Moni nun auf unseren Stempeltouren, wir werden berichten.

 
Moni fährt diesmal mit Vaude-Taschensystem

Ich fahre an der Front Blackburn und hinten Restrap.



Diesmal haben wir uns Gernrode als Startort ausgesucht und es geht direkt vom Parkplatz in den Berg. Der Försterblick mit der Stempelstelle 183 oberhalb von Gernrode will erstrampelt werden. Der Ausblick entschädigt und die Stempelsammelwut ist wieder entfacht. 





Als nächstes fahren wir wieder runter in den Ort und am Fuße des Berges „Alte Burg“ über den Fürstenweg bis zur nächsten Abbiegung in den nächsten Anstieg. Es wird kurz richtig steil und Bäume liegen auch noch quer, doch wir erreichen den Steinbruch „Harzer Grauwacke“ und Stempelstelle 61.





Es gilt weitere 70 Höhenmeter zu überwinden, bevor wir „Am Schirm“ ankommen. Die Stempelstelle 182 wurde mal für die Parforcejagd (Treibjagd mit Pferd und Hund) angelegt vor langer Zeit. Diese Art der Jagd ist hierzulande aber in der damaligen Form verboten. 






Das Schöne an Höhenmetern, irgendwann darf man sie wieder vernichten. So geht es nun für uns über schöne kleine Wege abwärts zur Stempelstelle 181 „Forstmeister Tannen Ballstedt“. Irgendwie eine komische Stempelstelle, die sich uns selbst nach dem Durchlesen aller Schilder nicht ganz erklärt. Was bitteschön ist die Nachbildung einer forst-historischen Versuchspflanzung? Ein leeres Stück Waldboden mit dem Schild, hier wurde versucht ein Baum zu pflanzen? 





Bei so viel Hirnaktivität war klar, mein Magen fühlt sich vernachlässigt. Da Moni mein Magengeräusch kennt, öffnet sie am Glockenteich ihren Zauberrucksack und lässt mich staunen und den Gaumen jubeln. So macht der anschließende Kurzbesuch im Schlosspark Ballenstedt gleich deutlich mehr Spaß. 







Die nächste Stempelstelle 180 „Am Kohlenschacht“ nehmen wir nebenbei mit und müssen etwas über das Gesicht in der Stempelstelle schmunzeln. Hier wussten wir noch nicht, wie lange uns diese Art von Kunst an diesem Tag begleiten würde. 





Der Bismarckturm (Stempelstelle 199) steht natürlich, wie es sich für einen Turm gehört, oben auf dem Berg. Als Belohnung gibt es einen kleinen steilen feinen Trail, der uns an eine Straße führt. Hier fahren 2 Rennradfahrer an uns vorbei mit den Worten „Familie Eggert mal wieder auf Tour“. Leider habe ich nicht wirklich erkannt wer es war, es war jedenfalls ein NRT-Trikot dabei. 




Das Mausoleum (Stempelstelle 207) in Meisdorf liegt direkt neben dem Schloss Meisdorf, doch Schloss hatten wir ja gerade erst und somit verweilen wir hier nicht lange und es geht weiter zur Konradsburg (Stempelstelle 201). Hier gibt es zu unserer Freude ein Cafe mit frischen Kuchen. Neben der Stempelkiste hängt eine Glocke mit Seil dran. Ich sag zu Moni, die haben bestimmt den Klöppel rausgenommen und ziehe kräftig am Seil. Aber nein, der Klöppel ist noch drin und ich läute gerade die Kirchenglocken! Schnell springen wir auf die Räder, doch die Leute im Cafe schauen uns kopfschüttelnd an und hinterher. 







Für die Stempelstelle 202 „Degenerhausen“ empfehlen wir mal etwas Brot mitzunehmen. Der kleine Teich neben dem Stempelkasten ist über und übervoll mit Fischen. Ein Stück Brot im Wasser löst ein Szenario wie in einem schlechten Piranhahorrorfilm aus. 






Die nun folgenden Hügel haben etwas sehr Besonderes dank der hier weidenden Tiere. Zuerst begrüßen uns die schottischen Hügel mit einer Herde Galloways. Vom nächsten Hügel sieht man eine große Herde Harzer Rotvieh und dann ist man auch schon in den Steppen Amerikas. Die Bisons an der Stempelstelle 86 versprühen etwas Majestätisches, bis, ja bis das eine Bison dem anderen Bison mit Dünnpfiff an der Tränke auf den Kopf sch…t!









Stempelstelle 205 „Am Cluseberg“ liegt in einem schönen Tal, dieses verlassen wir um nun die Burg Falkenstein zu erobern. Doch vor dem Sturm auf die Burg erstürmen wir noch den Sonderstempel am „Alten Falkensteiner“. Die Burg Falkenstein (Stempelstelle 200) ist schön anzusehen, die Touristenmassen und der komische Süßigkeitenstand vor der Burg veranlassen uns aber diesen Ort schnellstens wieder zu verlassen. 








Es geht steil ins Selketal um auf der anderen Flussseite noch steiler wieder die Berge zu erklimmen. Schieben ist für uns angesagt. Oben werden wir von der Stempelstelle 204 „Selkesicht“ mit einem gigantischen Panoramablick entlohnt. 




Von hier oben geht es wieder runter ins Selketal zur Stempelstelle 203 „Mettenberg“. Wir folgen nun dem schönen Talradweg bis zum „Landhaus“. Das Landhaus ist ein kleiner Kiosk und wir tanken mit leckerem kalten Radler unsere leeren Tanks auf. So aufgetankt erklettern wir die Burg-Ruine Anhalt (Stempelstelle 197), immerhin 130 Höhenmeter auf nur 800 Meter Weg. Hier im Steilanstieg knackt es in meinem Hinterrad komisch laut, doch ich kann nichts Verdächtiges finden.





Nachdem wir wieder im Selketal sind, führt uns ein wunderschöner Weg entlang der Selke zur Stempelstelle 179 „Friedrichshammer IV“. Wir erspähen einen schönen Biergarten, doch leider wird uns mitgeteilt „schon geschlossen“. Die noch auf den Bänken sitzenden Wanderer mit ihren Bierhumpen in der Hand schauen uns mit einer Mischung aus Mitleid und „ätschibätsch“ an. Es folgt ein wirklich schöner Trail direkt entlang der Selke bis nach Mägdesprung. 





In Mägdesprung verlassen wir mal wieder das Tal um die Köthener Hütte zu erklimmen. Wir verlassen die Straße, biegen ein in einen Trail und zackbumm trete ich ins Leere. Irgendwie habe ich mir den Freilauf samt Kassette aus der Nabe gerissen. Ich vermute, dass der Freilauf bei dem Sturz eine Woche vorher in Dassel doch mehr abbekommen hatte, als ich und der Service (wo das Laufrad zur Wiedereinspeichung war) gesehen haben. 




Wir beschließen den Aufstieg zur Köthener Hütte (Stempelstelle 195) schiebend zu beenden und oben mal genauer das Rad zu inspizieren. Oben angekommen steht schnell fest, an eine Weiterfahrt ist nicht zu denken. Wir entschließen uns die Nacht hier an diesem schönen Ort zu verbringen. 







Während ich die Terrasse fege, das Nachtlager bereit und nebenbei die Suppe koche, düst Moni weiter nach Harzgerode, um an der Tankstelle einige Radler zu besorgen. So verbringen wir die Abendstunden an diesem wunderschönen Ort mit einer leckeren Suppe im Bauch und leckeren Radlern zum Nachspülen.







Einzig dieses Gesicht mit diesen komischen Augen an der Tür, lässt uns immer wieder kurz schaudern. Schon komisch, wenn man nachts wach wird und als erstes in die Augen von „diesem“ Gesicht schaut. 


Bild aus dem Netz, aber hier sieht man schön die schöne Lage der Hütte.


Wir werden von der Sonnen und dem Motorradlärm aus dem Tal geweckt. Ich ziehe meine bunte Radhose an, schlüpfe in meine Badelatschen und marschiere mit etwas Papier unter dem Arm los um meine Morgenandacht zu vollrichten. So wie ich nur mit meinen Latschen und der bunten Lycra-Radträgerhose durch den Wald marschiere kommen mir 2 schwitzende Wanderer entgegen. Ich grüße freundlich mit einem „gudden Morsche“ und schlürfe an ihnen vorbei. Diese 2 ratlosen irritierten Gesichter werden mir lange in Erinnerung bleiben. 


Wer haben nun 2 Möglichkeiten: Zurück mit der Selketalbahn oder bei dem schönen Wetter eine längere Wanderung und das Rad schieben. Wir entscheiden uns für die Wanderung, denn immerhin müssen wir ja nur bergauf wandern, bergab kann ich rollen. 


Gesagt, getan und schon bald sind wir am Bremer Teich und Stempelstelle Nr.196. Da Moni mich im Flachen immer schieben musste, galt es nun ihren Tank aufzufüllen an einer der zahlreichen Einkehrmöglichkeiten hier am Teich. 






Zum Glück war der höchste Punkt von hier nicht weit entfernt und kaum, dass wir diesen erreicht haben, konnte ich bis zum Auto rollen ohne dass Moni mich erneut anschieben musste. So haben wir trotz Defekt noch einen schönen 2. Tag im Harz verbracht. 


Leider habe ich daheim bei der genauen Betrachtung des Schadens am Hinterrad festgestellt, dass das Rollen mit dem defekten Hinterrad im Nachhinein nur als „dumm“ bezeichnet werden kann. Die gelöste Kassette hat sich nämlich durch das Aluschaltauge ins Carbon reingefräst. Dies hatte ich weder gespürt noch gehört beim Rollen. Ich glaube, ich habe nun meinen Abschluss mit dem Thema Carbon gefunden…ich werde meine Materialwahl komplett überdenken, zumindest denke ich dies derzeit.

Ich könnte heulen...


Erfreulich für dieses Wochenende, die Fronttaschen von Blackburn und Vaude haben super funktioniert. Die Reifenfreiheit bei der Blackburn ist gigantisch, doch dazu irgendwann in einem anderen Bericht mehr.   

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