Samstag, 26. November 2016

Kapitel 9 - Indien - Eine Nacht im Tempel



Große Berge, große Fluggeräte...



Das Frühstück im Camp ist richtig lecker und es gibt Pancakes ohne Ende. Wir belauschen mal wieder den Nachbartisch und hören dabei etwas von einem kleinen Trampelpfad, der hoch über das Dorf an einen kleinen Gebetsschrein führen soll. Und so befinden wir uns wenig später per Pedes auf dem Weg hoch über das Dorf. Der Anstieg lässt uns selbst in der Morgenkühle wie wild schnaufen und auch schon schwitzen. Doch die Aussicht war die kleine Anstrengung wert.

Die Sonne scheint im Camp.

Die Milch kommt zum Frühstück!

Aufstieg zur Gebetstrommel.

300 Höhenmeter können ganz schön hart sein...

Hoch über Nako, eine perfekte Aussicht am Morgen.

Ganz, ganz hinten sieht man die Straße, die wir später hoch fahren.

Fast angekommen.

Das Teil ist nicht gerade klein.



Zurück im Camp sagen wir Narender Bescheid, dass wir den Rest des Tages mit dem Rad fahren. Er findet die Idee nicht wirklich gut mit Verweis auf das 107 Kilometer entfernte Tagesziel in Kaza. Wir erklären ihm, dass wir zum Rad fahren hier sind und nicht zum ständigen Jeep fahren. Wir einigen uns darauf, dass er ab jetzt immer 2 Stunden wartet, dann bis zu uns fährt und danach wieder wartet. So schwingen wir uns in Nako auf die Räder und freuen uns auf eine schöne Abfahrt ins Tal. 

Abfahrt aus Nako
Wie der Blickwinkel hier täuscht. Jedenfalls sieht man die Serpentinen, die uns richtig fordern.

Gegenverkehr

Keine Ahnung was da drauf steht. Die Höhenangabe irritiert etwas, da wir fast auf 4.000 sind.



Doch Pusteblume! Von wegen Abfahrt, über Serpentinen schrauben wir uns von 3.600 Meter hoch bis auf 3.950 Meter und schnaufen dabei wie 2 alte Dampfloks. Doch was folgt ist mega-genial, denn nun geht es mit genialem Fernblicken über geniale Serpentinen von fast 4.000 Meter über 16 Kilometer runter auf 3.000 Meter an den Fluss. 

Blick ins Tal.

Pause an farbenfrohen kleinen Tempeln mit Fernblick.

Kurzzeitig wird das Gelände wieder etwas rauher.

ANY TIME IS SAFETY TIME, ich finde die Warnschilder entlang dieser Straße gut.

Der LKW liefert über die Straße an, die Esel verteilen die Ware in den Bergen.

Abfahrt, könnt ihr Moni sehen?

Die Esel laufen mit mir mit, der Hirte kommt hinterher gerannt. Sorry!

Geniale Abfahrt, die man in Bildern kaum einfangen kann.



Die Straße verläuft genial schön aber auch genial anstrengend mit ihren ständigen kleinen Steigungen entlang des Flusses. An einer Stelle mit wunderschönem Ausblick treffen wir wieder die Schweizer. 

Wir suchen uns wieder einen Weg abseits der Straße.

Blick auf eine der Abfahrten. Leider geht es oft kurz danach auch so wieder aufwärts.

Wir haben unseren Spaß hier in der Höhenwüste.

Eine Straftat in Indien...

Mitte unten kommt Moni.



Unser Weg schlängelt sich fast schon unreal wirkend durch die Bergwelt, und hier kommen nur noch ab und zu Militärkonvois entgegen oder einzelne Jeep`s und Busse mit Touristen. Für die sind wir natürlich gefundenes Bildmaterial. In Sumdo queren wir den Fluss und kommen an eine Militärstation. Während ein Fahrzeug mit Amerikanern und die Fahrzeuge der Schweizer vor der Schranke warten müssen, winkt uns der Soldat an allen vorbei und bittet uns freundlichst ins Büro zum Kommandante. 

Militärkonvoi.

Hier schießt nicht das Militär, sondern die Natur. Diese Schilder nehmen wir seid des Straßenabbruchs sehr ernst.
Das Tal ist hier wieder enger.
In diesem Abschnitt war es richtig heiß, jenseits der 35 Grad.

Kontrollposten mit großen Büchern.


Dieser sitzt mit steinernen Miene und 2 weiteren Soldaten hinter seinem kleinen Schreibtisch und verlangt von uns die Ausweise, das Visum und die Innerline Permit. Er betrachtet diese lange und genau, dreht sich um und zieht ein gigantisches Buch aus dem Schrank. Knallt es auf den Tisch, klappt es auf und Blättert die riesigen Seiten langsam und gemütlich Blatt für Blatt um. Fein säuberlich sind in diesem aufgeklappten DIN-A0 Buch, untereinander die Europäischen Durchreisenden aufgelistet. In die nächste leere Zeile fängt er an zu schreiben. Von links nach rechts, in kleinster Schönschrift die gesamten Daten von meinem Ausweis, danach alle Daten samt Anschrift des Visums und danach alle Daten der Innerline Permit, natürlich wieder mit kompletter Anschrift. In die Zeile darunter schreibt er nun alle Daten von Monis Dokumenten, und immer wieder unseren „kurzen“ Straßennamen der immerhin alleine schon aus 25 Schriftzeichen besteht. 

Ohne weitere Worte.

Gegenverkehr

Man kommt sich hier wirklich ganz winzig vor.

Huhu

Welche haben wir wohl genommen?



Zufrieden schaut er nun seine 2 ca. 80 cm langen Zeilen an, als er plötzlich große Augen bekommt, uns schon fast panisch anschaut und fragt: „Kommt ihr aus Richtung Shimla oder aus Richtung Manali?“ „Shimla“, antworten wir und sehen auf den Gesichtern der 2 Soldaten ein schelmisches zufriedenes Grinsen. Der Kommandante hingegen schaut seine Soldaten daraufhin böse an, nimmt ein Lineal und streicht all unsere Daten fein säuberlich durch. Klappt das riesen Buch zu, bekommt von einem Soldaten ein anderes Riesenbuch, klappt dieses Gigantobuchhalterbuch wieder langsam auf, schaut uns an und sagt nun selbst mit einem fetten Grinsen im Gesicht: „Sorry, Buch für falsche Richtung genommen…“ Leider durften wir keine Bilder des Buches machen.

Hier führte die Straße einige Kilometer flach am Fluß entlang.

Unsere Straße

Freudensprung, mal wieder ein kleiner Anstieg geschafft.

Vor diesen Felsnadeln sieht Moni ganz klein aus.

Dabei ist dieser Abschnitt hier in der Landschaft ebenfalls ganz klein.

Das Tal wird wieder enger und schon muss man wieder 50 Höhenmeter bewältigen.



Wir treten nach ca. 20 Minuten wieder aus dem Gebäude raus, die Amis und Schweizer schauen uns fragend an, was wir nur mit einem Schulterzucken beantworten. Gerne hätte ich gewusst wie viel Zeit die 10-köpfige Gruppe aus der Schweiz hier noch zugebracht hat. Wir jedenfalls schwingen uns wieder auf die Velo`s und fahren weiter in unser Abenteuer hinein. 


2 Hütten im Nirgendwo.
Ein kleiner Markt in einer der 2 Hütten.

Mit gekühlten Getränken, da lacht die Madam.

Ständig kommen kleine Steine von oben, die etwas größeren hört man!

Viele Autos vor einer Hütte bedeuten meistens Teatime.



Im nächsten kleinen Dorf besuchen wir die Teestube und die Amerikaner kommen winkend mit dem Auto vorbeigedüst. Kurz nach dem Dorf, kommen wir bei den Amerikanern vorbei. Diese sind gerade dabei eine Reifenpanne zu beheben. Wir können nicht helfen und fahren weiter nach Tabo. Die auf dem Papier kontinuierliche langsam von 3.000 Meter auf 3.400 Meter ansteigende Straße hat uns mit den von uns gewählten Nebenwegen bis hierin bereits 1.600 Höhenmeter beschert.

Chai Zeit

Mal wieder führt die Straße hoch zu einem kleinen Tempel.

Jetzt geht es zur Brücke runter und zum Dorf wieder hoch.

...
Traumhafter Ausblick
Auf nach Tabo.



Kein Wunder also, dass unser Magen etwas Appetit vermeldet. Doch zuerst galt es der Kultur zu frönen. Tabo ist die älteste kontinuierliche arbeitende buddhistische Enklave im gesamten Himalaya. Das Kloster wurde 996 n. Chr gegründet und man kann noch heute original Statue oder Fresken bewundern. Allerdings haben wir uns wirklich nur kurz von der Vergangenheit gefangen nehmen lassen, denn das Knurren unserer Mägen war realer. 

Tempelanlage in Tabo.

Hier gibt es auch uralte Höhlen, die zur Anlage gehören.

Der Tempel wird ausgebaut.

Moni vor der Anlage.



Wir suchen uns ein kleines „Restaurant“ aus, erhalten gerade die Getränke, als die Amerikaner sich zu uns gesellen. Während des Tischgesprächs erzählen sie uns, dass sie heute Nacht in einem Kloster übernachten, welches sich der Dalai Lama auch als zukünftigen Alterssitz auserkoren hat. Wir kramen unsere Karte raus, schauen uns die Lage an, suchen Narender und sagen ihm „Kaza ist gestrichen für heute, wir fahren jetzt mit dem Jeep weiter nach Dhankar Gompa!“. 

Wir gehen einkaufen, was hier sogar mir Spaß macht.

Mal wieder 2 Taschen, bzw. Schüsseln voll Schokolade gekauft.



„Da gibt es nichts außer einem Kloster und einigen wenigen Häusern“, lautet die Antwort. „Perfekt“ sagen wir und beschließen sicherheitshalber unserer Vorräte aufzustocken. Wir kaufen in dem kleinen Laden Getränke und alle Schokoladenriegel und schon geht der Aufstieg mit dem Jeep los. 

Wenn wir das Kloster erreichen wollen, müssen wir auf den Jeep ausweichen.

Die Schatten fallen schon ins Tal.

Senkrechte mehr als Hundert Meter hohe Sandwände.

Kurzer Stop, eine sogenannte "PP".

Auch wenn man es auf dem Bild nicht erkennt, Moni steht an einer abartig steilen schönen Kante.

In engsten Serpentinen schlängelt sich die Straße aus dem Tal empor, doch dank der fortgeschrittenen Stunde, fahren wir immer der Sonnen/Schattenkante hinterher. Oben angekommen ist es zwar noch relativ hell, aber die Sonne selbst ist schon verschwunden. Wir bekommen ein Zimmer im Kloster zugewiesen. 

Kleiner Drohnenflug in Dhankar von Pixeldo.com

Gerade als wir uns zur Exkursion aufmachen, kommen auch die Amerikaner an. Wir sind so begeister von der Bergwelt hier oben auf 3.900 Metern, dass wir uns überschwänglich für den Tipp bei ihnen bedanken. 

Ein letzter Blick auf den Fuss, im Tal dämmert es schon.

Weit oben liegt unser Ziel noch in der Sonne.

Taxi

Die kleine Siedlung Dhankar

Das "Vogelnest"

Blick von unserer Terrasse.
Die Amis kommen.



Den Abend verbringen wir alle zusammen im Speisesaal mit Blick auf die gegenüberliegenden alten Klosterfragmente, die wie Schwalbennester an den Felsenzipfeln hängen. Im Hintergrund hört man von irgendwoher das Murmeln der Mönche und hin und wieder einen Gong. 


Mal einige Langzeitbelichtungen. Die Bilder sind in der absoluten Dunkelheit entstanden.

Die Stimmung mit den Geräuschen war wahnsinn.

Der Strom kam hier sehr unregelmäßig.

Der Gästespeiseraum und die Terrasse des Tempels.

Sooooo schön.


Als wir dann im Gespräch mit den Einheimischen noch herausgefunden haben, morgen einen anderen Weg mit den Rädern ins Tal nehmen zu können wie die vorhin gefahrene Serpentinenstraße, ist der Abend vollendes perfekt. Zurück im Zimmer werfe ich mich aufs Bett und bin erstaunt über den aufkommenden Schmerz, ist das etwa eine Steinmatratze? 





Ein Film zum Träumen entlang unserer Reiseroute

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